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Forum Netzwerktechnik (Archiv)

Kategorie Netzwerktechnik - Forum Wettbewerb

 
Aufbau eines eigenen Webradios

geschrieben am 01.06.2006 um 18:23 von derPENGUIN

Einfuehrung
Webradios sind im Trend. Dieser Artikel beschreibt, was man braucht, um selbst so ein Radio einzurichten und zu betreiben. Er richtet sich an fortgeschrittene Anwender mit Geld und Zeit.
Voraussetzungen
Fangen wir gleich mit dem an, was am Meisten abschreckt: den Kosten. Seit 1.4.05 hat die GVL ihre Tarife um ca 1000 (tausend !) Prozent erhoeht. Dies war das Aus fuer viele kleine Privatsender. Um ein Radio zu betreiben, benoetigt man Lizenzen, man entrichtet seinen Obulus an die GEMA und an die GVL. (Tarife sind unter http://www.gema.de und http://www.gvl.de einsehbar.) Waehrend die GEMA noch relativ zurueckhaltend ist, schlaegt die GVL richtig zu. Die Kosten richten sich nach Anzahl der Hoerer, Anteil gespielter Musik und Sendedauer. Zudem sind Vervielfaeltigungsgebuehren fuer die Tontraeger zu entrichten, schliesslich verwendet man als lizensiertes Radio Original-CDs und keine Downloads, oder? Die Lizenzgebuehren liegen bei 24h Sendebetrieb mit 50 Hoerern bei ca. 200 Euro monatlich, hinzukommen die Ausgaben fuer die CDs, die man kaufen moechte. Weiterhin braucht man freilich einen schnellen Server mit vernuenftiger Anbindung und ausreichend Traffic, die gibts aber bei server4you fuer n 10er, also aus der Portokasse.
Vorbereitung und Desillusionierung
Ich sprach eben von 50 Hoerern. Die muss man erst mal haben. Realistisch betrachtet haben die meisten kleinen Radios weit weniger. Der Trend geht in Richtung interaktives Radio, also betreibt man zusaetzlich einen IRC-server, wo die Hoerer Gruesse und Wuensche loswerden koennen. Dies ist die einzige Chance, im Wettbewerb gegen 1000e andere Sender um Stammkundschaft zu ringen. Nun kurz den Traffic berechnet: ich sende mit 128 kbit/s an 10 Leute (das ist schon optimistisch fuer den Anfang). Damit hab ich knapp 10 MB Daten pro Minute, also grob 14 GB pro Tag. Das sollte man durchaus einkalkulieren.
Technik und Software
Man benoetigt zwei Programme, einen Streamserver, der die Daten an die Hoerer ausliefert und einen Player, welcher die Musik samt Gelaber (Moderation) mixt und an den Streamserver liefert. Der Streamserver rennt irgendwo im Web auf einem vserver von Strato, server4you oder sonstwem. Hier kommt es auf die Anbindung an, mit dem heimischen DSL mit 128 k Upload kann man schliesslich nur einen einzigen Hoerer bedienen, wenn man in 128 sendet. Die Auswahl an Streamsoftware ist uberschaubar.
Der Platzhirsch am Markt ist die kommerzielle, aber kostenlose Loesung shoutcast ( http://www.shoutcast.com ). Die ist fuer Windows und Linux verfuegbar, ich hab aber win nie getestet. Die Konfiguration ist denkbar einfach und erfolgt uber das File sc_serv.conf.

Code:

MaxUser = 50
Password = streamer
AdminPassword = gaaanz_geheim

Viel mehr muss man fuer den Anfang nicht einstellen, es kann mit ./sc_serv sofort losgehen. sc wartet dann, dass ihm jemand Content gibt. Auf der Firewall muessen die Ports 8000 und 8001 offen sein. (Aenderbar im config in PortBase)..
Eine open source Alternative zu sc ist icecast, http://www.icecast.org. Dieser Streamer ist etwas schwieriger einzurichten und die Zusammenarbeit mit den Playern gelingt nicht immer reibungslos. Wer aber die ersten Schritte im Streaming hinter sich hat, kommt auch damit klar.
Die dritte (und durch ihren Ansatz interessante) Moeglichkeit ist peercast, http://www.peercast.org. Dieser Streamer funktioniert wie ein p2p-netzwerk, d.h. jeder Hoerer ist auch Relay, wofuer er freilich ein winamp-plugin (kostenlos) benoetigt. Erfahrungsgemaess lassen sich bislang nur wenige Hoerer dazu ueberreden, so dass diese Loesung nur in geschlossenen Benutzergruppen, also unter Kumpels, eine Bedeutung hat. Der Vorteil ist, dass die Rueckverfolgung auf den eigentlichen Radio-urheber sehr schwer wird. Aber nein, ich sage jetzt NICHT oeffentlich, dass man damit die ueberteuerten Lizenzgebuehren sparen kann. Schwarz senden ist wie schwarz fahren, nur teurer. Zudem befindet sich peercast noch in einem fruehen Entwicklungsstadium, die Uebertragung von Metatags (Sende- und Titelinformationen) funktioniert beispielsweise noch nicht, und das (ausschliesslich englischsprachige) Forum ist nur eine schwache Hilfe. Der einzige Vorteil von peercast ist, man kann, eine ordentliche Bandbreite aller Teilnehmer vorausgesetzt, auch Videos streamen. Die Japaner machen davon schon reichlich Gebrauch, hierzulande steht peercast eher auf dem Zettel "spaeter noch mal anschauen".
Nachdem der Server laeuft, muss er mit Musik gefuettert werden. Hierfuer gibt es zahlreiche Loesungen fuer Windows, unter Linux hab ich nicht ein einziges brauchbares Programm gefunden. Die einfachste Loesung ist das DSP-plugin fuer Winamp, zu beziehen auf der winamp-Homepage. Das ist kostenlos und tuts fuer den Anfang. Teuer und gewoehnungsbeduerftig, aber angeblich gut ist auch SAM (aktuell Version 3) von http://www.spacialaudio.com. Ebendort gibts auch Simplecast, kostenlos. Dies sendet alles, was ueber die Soundkarte geht, an den Streamserver (sogar mit mp3pro, hierzu nachher mehr) und ist fuer mich die beste Wahl. Den Player kann ich somit immer noch frei waehlen. Sehr professionell, aber auch nicht gerade billig, ist BPM, http://www.alcatech.de/html/. Dieser kann auch direkt einen Streamserver bedienen. Kostenlos und deshalb erste Wahl hingegen ist mp3tunes, http://tunesplayer.com/. Dieser ist einfach einzurichten und hat, was fuer Radiomoderation wichtig ist, einen talk over button.
Unter Linux gibt es leider nichts vergleichbares. MuSE geht so leidlich, wenn man keinerlei Anforderungen hat, und djplay (http://djplay.sf.net) scheint gelungen, aber ich konnte dem Ding noch keinen Ton entlocken.
Formate und Qualitaet
Die meisten Radios senden in mp3, manche in wma, noch weniger in ogg. mp3 ist weit verbreitet, mit maessiger Qualitaet. Hier sollte man mindestens mit 96 k senden, sonst will es keiner hoeren. Eine interessante Verbesserung ist mp3pro, siehe http://www.mp3prozone.com/. Damit wird die Qualitaet wirklich drastisch verbessert, fuer all jene, die sich das Plugin in den winamp geladen haben. Leider gibts auch das nicht fuer Linux, der Stream ist aber abwaertskompatibel, kann also auch ohne Plugin gehoert werden. Viele Radios setzen inzwischen auf mp3pro. wma ist ein M$-format, welches eigentlich schon deswegen vermieden werden sollte. Die Qualitaet ist bei gleicher Bandbreite mit der von mp3 vergleichbar. Voellig lizenzfrei ist ogg, und dabei besser als mp3. Wer also auf der open source - wolke schwebt, sollte dies nehmen, allerdings kann man dann als Streamserver keinen shoutcast nehmen, der unterstuetzt kein ogg. Ist aber auch keine freie Software.
Fazit
Fuer den ersten Test im LAN ist vorgenannte Software (leider in ihrer Kombination und Vielfalt zu umfangreich, um alle Konfigurationen vorzustellen) durchaus empfehlenswert, und sei es nur, dass man seine Familie mit seiner Lieblingsmusik begluecken will. Ein Webradio aufzubauen ist spannend und kann sich schnell zu einer richtigen Sucht entwickeln, leider kostet es ne Menge Geld. Ein Blick in die Impressums zahlreicher deutscher Radios zeigt, dass diese ihren "Betreiber" ins Ausland verlagert haben. Damit bewegt man sich allerdings in einer dunkelgrauen Zone der Rechtssprechung und es wird hier ausdruecklich nicht empfohlen.

Happy Streaming
 

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aktualisiert am 17.10.2017